Gastbeitrag: Ev. Friedenskirche Mönchengladbach in Dänemark 2020

An dieser Stelle veröffentlichen wir regelmäßig Beiträge von Gruppen, die sich in 2020 “getraut haben”. Wie hat es sich angefühlt, unter besonderen Umständen zu reisen? Was waren die organisatorischen Hürden? Wie konnten Probleme gelöst werden? Der Reisebericht der Ev. Friedenskirche Mönchengladbach macht Mut und bestärkt alle Gruppenreise-Verantwortlichen: Gruppenreisen bleiben ein wichtiges, lebensprägendes und bereicherndes Erlebnis – auch unter neuen Vorzeichen.

Bericht Pfarrer Till Hüttenberger, Ev. Friedenskirchengemeinde Mönchengladbach

Seit 2010 fahre ich mit unserer Friedenskirchengemeinde jedes Jahr auf Jugendfreizeit zu Land und mit Plattbodenschiffen auch zur See. Seit einem Jahr freuten wir uns bereits auf den Sommer in Dänemark. Dann kam Corona, es folgten Monate des Hoffens, Bangens und Zweifelns, viele Gespräche und Überlegungen im Presbyterium/Kirchenvorstand und auch mit den Menschen vom Reiseservice Henser. Im Juni, als die Grenzen in Dänemark wieder geöffnet wurden,  haben wir uns dann entschieden zu fahren. Viele Familien der Mitfahrenden haben uns immer wieder gebeten:

“Fahrt unbedingt, wenn es geht. Die Kinder müssen dringend raus. ”  Die Entscheidung, an unserer Sommerfreizeit in Dänemark festzuhalten mit 37 Jugendlichen und 10 jungen und älteren Teamern hat sich auch aus der Erfahrung der zwei Wochen in jeder Hinsicht als absolut richtig und notwendig erwiesen. Die exzellente und herzliche Betreuung durch Jonas Henser und sein Team war hervorragend. In vielen Telefonaten haben wir gemeinsam beraten, wurden über den laufenden Stand der Rechtslage informiert und bekamen Handlungsempfehlungen für’s Land an die Hand.

“Wir sind sehr froh, gefahren zu sein” Till Hüttenberger

 

Till Hüttenberger
Till Hüttenberger hat sich 2020 getraut, eine Freizeit anzubieten – und er ist froh, es getan zu haben.

Gemeinsam haben wir Chancen und mögliche Risiken bedacht und verantwortungsvoll nach Lösungen gesucht. Wir waren zu jeder Zeit in sehr guten Händen.
Wir sind sehr froh, gefahren zu sein und ich kann nur anderen Gruppen auch in dieser herausfordernden Zeit dazu Mut machen.

Die letzten Monate waren für viele unserer Jugendlichen schwer und nicht nur mit fehlenden sozialen Kontakten, sondern auch mit Langeweile, Unsicherheit und übermäßigem Medienkonsum verbunden. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Gruppe war und ist riesig. Wenn wir Älteren mit den jungen Leuten zwei intensive Wochen verbringen, machen wir in jeder Minute die Erfahrung:   Jugendliche brauchen andere, um sich selbst zu entdecken, sich zu messen, ihren Platz zu finden, sich auseinanderzusetzen und in der Gemeinschaft Annahme und Geborgenheit zu finden. Für viele waren die Monate sehr belastend und sie finden in der Auszeit auch den Raum, ihren Gedanken, Gefühlen und Sorgen Ausdruck zu geben.

Sicheres Reisen ist in Dänemark möglich

Dänemark ist ein Land, in dem man sicher und entspannt mit der Gruppe eine Jugendfreizeit durchführen kann. Das Land hat Platz für viele Menschen.  Die Dänen selbst gehen achtsam und rücksichtsvoll, aber auch angstfrei und sehr gelassen mit der Situation um. Eine Maskenpflicht gibt es nicht, man setzt auf Rücksichtnahme und Abstand und das funktioniert hier ausgezeichnet, weil alle wie selbstverständlich mitmachen. Es herrscht auch in der Öffentlichkeit, in den Straßen und Geschäften eine entspannte Atmosphäre, die sich wohltuend auf unsere gesamte Gruppe übertragen hat. Für die Jugendlichen ist es Leben und Freiheit, wie sie immer wieder in den Abendrunden erzählen, mit denen wir den Tag abschließen.

Unser Gruppenhaus in Ebeltoft war eine absolut glückliche Fügung im Blick auf die gegenwärtigen Umstände. Es ist ein sehr geräumiges und ein, ein wenig charmant in die Jahre gekommenes, extrem gemütliches – wie die Dänen sagen würden “hyggeliges” – einfaches und bequemes Schullandheim in Ahl, einer Siedlung im Wald. Es ist perfekt für eine Jugendfreizeit, in der man viel mit den anderen machen und erleben will, drinnen und draußen.  Wir wurden liebevoll  von Kate, der Hausmutter, empfangen, die uns von Anfang an das Gefühl gab, willkommen zu sein. Das verwinkelte Gruppenhaus mit seinen drei Flügeln, großem Speisesaal und “Wohnzimmer”  besitzt ein sehr großes von außen durch ein Wäldchen uneinsehbares Außengelände mit Fußballtoren, Volleyballplatz und einer großen Wiese, auf der man hervorragend viele Spiele und Gruppenaktivitäten durchführen kann. Auf dem Gelände gibt es Stühle, Sitzgarnituren und Liegen, auch um seine Ruhe zu finden, in Kleingruppen zu spielen, zu lesen oder Kreativangebote zu nutzen. Das Gelände liegt geschützt im Wald am Meer. Innerhalb von zwei Minuten ist man am Strand.

Freiluft-Programm steht im Mittelpunkt

Es ist kein touristisch ausgebauter Strand, sondern wilde unberührte Natur, wie an vielen Stellen hier in an der Ostseeküste in Djursland. Von einem kleinen Hügel mit Bank genießt man einen herrlichen Ausblick über das Meer.  Wir bauen Sandburgen, baden, schauen den Kitesurfern zu, gehen den Strand entlang spazieren oder beobachten den Sonnenuntergang und nachts den Mond und die Sterne über der See. In kleinen Gruppen zieht es die Jugendlichen zu allen Uhrzeiten immer wieder an die Meeresküste, um sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, miteinander über alles, was das Leben bewegt zu sprechen oder einfach gemeinsam die Seele baumeln zu lassen.

Die Küche ist hervorragend ausgestattet, die Verteilung der Gruppenräume über das große Haus machte es leicht, die Sanitärräume so zuzuordnen, dass immer nur die gleichen Bezugsgruppen sie benutzen. Gemeinsames tägliches Putzen und Desinfizieren der eigenen Räume ist für die Jugendlichen zu einer Selbstverständlichkeit geworden, die leicht von der Hand geht.

Unsere Unterkunft liegt östlich von Aarhus auf der Halbinsel Djursland im Nationalpark Mols Bjerge. Über die  hervorragenden dänischen Apps “Visit Djursland” und “Mols Bjerge” haben wir schon im Vorfeld viele Wanderwege und Tipps für Unternehmungen gefunden. Wenn man als Gruppe Fahrräder mitnimmt (wir bedauern, es nicht getan zu haben), kann man auf vielen Routen und ausgebauten Fahrradwegen diesen wunderbaren Landstrich erkunden.  Im großen Skandinavischen Tierpark in Kolind gibt es einen tollen Einblick in die Tierwelt des Nordens in naturbelassener Umgebung,  Bären, Wölfe und Elche inklusive.  Schon vom Haus aus kann man am Strand entlang und durch den Wald verschiedene kurze Wanderwege erkunden. Ebeltoft mit seiner schönen Altstadt und dem Museumsschiff “Fregatte Jylland”  ist ein Touristenmagnet und hat auch unsere Jugendlichen begeistert. Mit den vier Supermärkten Aldi, Netto, Kwickly und Fötex kann man z.T. auch recht günstig alles bekommen, was man braucht. Wir haben nicht viele Lebensmittel mitgenommen, sondern kaufen immer vor Ort. In Dänemark ist nicht alles teuer, die Gruppenversorgung mit frischen Lebensmitteln kann man hier gut organisieren. Eis und Briefmarken für Postkarten (4,50 Porto!) sind jedoch sehr wohl ein Luxus, daher besser WhatsApps schicken.

Selbst Stadtbesuche gehen – man muss nur aufpassen

Aarhus ist nur eine dreiviertel Stunde Fahrt entfernt, europäische Kulturhauptstadt von 2017 und zweitgrößte Stadt Dänemarks. Es ist eine junge und lebendige Stadt, die alle fasziniert hat, Hafenstadt, Studentenstadt, Shoppingstadt, Stadt verwinkelter Fachwerkhäuser und supermoderner Architektur zugleich, mit dem fantastischen Freilichtmuseum Den Gamle By – ein absolutes Highlight, in dem man in die Vergangenheit eintaucht und  in dem es für alle Jugendlichen unter 18 komplett freien Eintritt gibt. Viele fühlten sich wie in die Winkelgasse bei Harry Potter versetzt. In den dänischen Sommerferien gibt es ohnehin  50 Prozent auf alle Eintritte, sodass auch Besuche auf dem Museumsschiff, im Freilichtmuseum und im Tierpark im Budget untergebracht werden können.

“Eine Jugendfreizeit kann eine Erfahrung für das ganze Leben sein. Wenn wir es ihnen aus vielleicht übergroßer Vorsicht versagen, nehmen wir ihnen viel.” Till Hüttenberger

Wir haben in diesen zwei Wochen uns anstecken lassen von der “hyggeligen” und entspannten Atmosphäre in Haus und Land. Zu keiner Zeit haben wir uns unsicher gefühlt oder gezweifelt, dass zu fahren die falsche Entscheidung gewesen sein könnte. Unsere Kirchengemeinde fährt nun schon seit 2010 immer wieder mit Henser, immer an andere Orte in Schweden, Norwegen und Dänemark. Die oft ruhig auf dem Land gelegenen Gruppenhäuser mit großem Gelände bieten einen sicheren Rahmen für Gruppen. Und wir sind nach diesen zwei Wochen mehr denn je davon überzeugt: Jugendliche brauchen Gemeinschaft, Gruppe, Spiele, Angebote, Auszeit und Erholung in unserer Zeit wie die Luft zum Atmen. Eine Jugendfreizeit kann eine Erfahrung für das ganze Leben sein. Wenn wir es ihnen aus vielleicht übergroßer Vorsicht versagen, nehmen wir ihnen viel.

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