Mit dem Bulli nach Griechenland: Drei Routen, viele Erfahrungen
Simon Sandmann gehört zu unseren mutigsten Kunden. Für seine Jugendfreizeiten nach Griechenland hat er bereits mehrere Anreiserouten mit dem Bulli ausprobiert – von der Nachtfähre über Italien bis zur klassischen Balkanroute. Welche Erfahrungen er dabei gemacht hat und welche Strecke er heute empfiehlt, erzählt er hier selbst.
Wenn man mit einer Gruppe Jugendlicher nach Griechenland reist, stellt sich irgendwann die Frage: Fliegen oder fahren? Für mich war die Antwort schon vor Jahren klar. Ich betreue als Religionspädagoge Freizeiten für Jugendliche und junge Erwachsene. Mit 20 Leuten zu fliegen ist teuer, organisatorisch kompliziert und oft unflexibel. Außerdem hat man vor Ort keine Fahrzeuge. Deshalb setzen wir auf Bullis – und auf das Abenteuer Roadtrip.
Inzwischen habe ich drei verschiedene Routen nach Griechenland ausprobiert. Jede hatte ihre Besonderheiten. Nicht jede würde ich noch einmal fahren.
Route 1: Über Italien und mit der Nachtfähre nach Griechenland
Die Idee klingt zunächst verlockend: Mit dem Auto nach Italien fahren, auf die Fähre steigen und entspannt über Nacht nach Griechenland schippern.
Die Realität sah für mich anders aus.
Schon die Anreise nach Italien empfand ich als anstrengend. Wer aus dem Ruhrgebiet kommt, muss über die Alpen. Danach wartet die Fähre – und die entsprach nicht unbedingt meinen Vorstellungen von Mittelmeer-Romantik. Die Schiffe waren voll, die Atmosphäre eher spartanisch. Wer keine Kabine gebucht hat, landet schnell mit Isomatte auf dem Flur oder versucht, die Nacht auf einem Sessel zu verbringen.
Auch die Kontrollen vor der Einschiffung blieben mir in Erinnerung. Die italienischen Grenzbeamten wirkten auf mich ausgesprochen humorlos. Insgesamt war die Kombination aus langer Autofahrt und wenig komfortabler Überfahrt für mich keine Route, die ich heute noch empfehlen würde.


Route 2: Die direkte Balkanroute
Von den Kilometern her ist die klassische Balkanroute die schnellste Verbindung. Sie führt über Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien und Nordmazedonien nach Griechenland.
Auf dem Papier klingt das ideal. Im Sommer ist die Strecke allerdings extrem stark frequentiert. Nicht nur Urlauber nutzen diese Route, sondern auch viele Menschen aus der türkischen und ehemaligen jugoslawischen Community auf dem Weg in ihre Herkunftsländer.
Das größte Problem sind die Grenzen. Serbien und Nordmazedonien gehören nicht zur EU. Lange Wartezeiten und Durchsuchungen gehören dazu. Besonders eindrücklich war für uns eine Ausreise aus Serbien. Wir wurden mit unseren Bullis 3 Stunden lang kontrolliert und nach Drogen durchsucht. Die Beamten gingen sehr gründlich vor, kontrollierten Gepäck, Bargeld und sogar unsere Teilnehmenden wurden unsanft durchsucht und befragt.
Dazu kommt: Wer sich auf mobile Daten via EU-Roaming verlässt, wird unterwegs schnell feststellen, dass das in Nicht-EU-Ländern nicht selbstverständlich ist. Plötzlich muss man richtig tief in die Tasche greifen, wenn man Spotify oder Google Maps nutzen will.
Mein Fazit: Wer diese Route fährt, sollte unbedingt eine Zwischenübernachtung und Zeit für die Grenzkontrollen einplanen. Eine Unterkunft entlang der Strecke – zum Beispiel in Kroatien oder im Raum Belgrad – macht die Reise etwas angenehmer.
Route 3: Der Umweg durch die EU
Mittlerweile habe ich meinen Favoriten gefunden.
Die Route führt von Griechenland über Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich zurück nach Deutschland. Sie ist zwar rund 500 Kilometer länger, fühlt sich aber deutlich entspannter an.
Die Grenzkontrollen verlaufen wesentlich unkomplizierter. Mit deutschem Kennzeichen und als deutschen Insassen hatten wir praktisch nie Probleme. Dafür erlebt man Regionen, die viele Westeuropäer kaum kennen. Das Donautal, die Westkarpaten und die ländlichen Gegenden Rumäniens hinterlassen Eindruck.
Natürlich sieht man auch die Schattenseiten. Manchmal liegen tote Hunde am Straßenrand, vielerorts wird sichtbar, dass die Menschen deutlich ärmer leben als bei uns. Gleichzeitig haben wir immer wieder eine große Gastfreundschaft erlebt.

Gerade für junge Menschen hat das einen besonderen Wert. Vorurteile verschwinden, wenn man Länder und Menschen selbst kennenlernt. Für mich gehört das mit zum Bildungsauftrag einer solchen Reise.
Mit 2-3 Fahrern pro Bulli schaffen wir die Strecke sogar weitgehend am Stück. Wer entspannter reisen möchte, sollte eine Übernachtung auf Höhe von Budapest einplanen. Dabei empfehle ich Unterkünfte nahe der Autobahn statt mitten in der Stadt. So vermeidet man Berufsverkehr und Zeitverlust.
Ein weiterer Vorteil: In Bulgarien und Rumänien sind die Spritpreise oft deutlich günstiger als in Mitteleuropa.

Meine Empfehlung
Wer mit dem Auto nach Griechenland fahren möchte, sollte sich vorher über Mautgebühren informieren. In Österreich, Slowenien und Ungarn fallen Kosten an, teilweise auch für Tunnel oder bestimmte Streckenabschnitte. Die ungarische Maut lässt sich bequem online erwerben. Der ADAC ist hierfür eine gute Informationsquelle.
Am Ende bleibt für mich aber etwas anderes hängen: Als EU-Bürger durch mehrere Länder zu reisen, Grenzen zu überqueren und dabei ein hohes Maß an Freiheit zu erleben, ist ein großes Privileg. Viele Jugendliche nehmen das im Alltag kaum wahr. Auf einem Roadtrip nach Griechenland wird es plötzlich greifbar.
Deshalb lohnt sich die lange Anreise für mich nicht nur aus finanziellen Gründen. Reisen bedeutet eben auch, sich auf den Weg zu machen. Und manchmal beginnt das eigentliche Abenteuer schon lange vor dem Urlaubsort.