Faszination Jugendfreizeit – Warum 14 Tage als Gruppe so besonders sind

Na, wie klingt das: Zwei Wochen lang nonstop gefordert sein. Als Elternersatz, als Vorbild, als Hausmeister, als Küchenfee, als Spaßvogel vom Dienst und Mädchen für alles. Das alles bei 4-5 Stunden Schlaf pro Nacht, aber Kohle gibt’s dafür eher nicht – und wenn, dann nur sehr wenig. Eigentlich komisch, dass sich immer wieder Menschen finden, die bei so einer Jobbeschreibung nicht Reißaus nehmen, sondern –  im Gegenteil – sogar freudestrahlend zugreifen.

Der hauseigener See im norwegischen Freizeitheim Degernes Misjonsgård.

Eine Ferienfreizeit mit 30, 40, 50 Jugendlichen zu leiten, ist ein echter Knochenjob. Und gerade bei echten Knochenjob-Jobs muss die Motivation stimmen, damit Leute dabei bleiben. Was ist die Motivation, mit der sich Teamerinnen und Teamer, Freizeitleiterinnen und -leiter immer wieder dem Stress aussetzen, den eine Freizeit bedeutet?

Lernraum Jugendfreizeit

Wir haben bei uns im Team gesammelt: Suse, Jonas und Marcel haben viele Jahre Jugendfreizeiten durchgeführt, Alexa und Patrick sind sogar noch aktiv dabei und fahren regelmäßig los. Was uns alle immer wieder fasziniert, ist, mitzuerleben, wie krass Jugendliche sich innerhalb von zwei Wochen entwickeln können. Beispiele fallen uns sofort etliche ein: Zum Beispiel eine 14-Jährige, die zu Beginn noch extrem schüchtern war und eigentlich nur mit ihrer besten Freundin gesprochen hat, beim Abschlussfest dann aber plötzlich eine tragende Rolle beim Impro-Theater übernommen hat. Oder ein Junge, der anfangs niemanden aus der Gruppe so richtig kannte, dann aber beim Flag-Football-Workshop außergewöhnliches Talent bewies und fortan nonstop als Mitspieler gefragt war.

Auf Jugendfreizeiten findet Persönlichkeitsentwicklung par excellence statt, jeden Tag.  Es geht darum, Gemeinschaft zu erleben, Verantwortung zu übernehmen und neue Perspektiven zu entdecken. Wenn in den Highlight-Runden am Ende eines langen Tages zig verschiedene Details besprochen und beklatscht werden, merkt man, wie prägend die gemeinsame Zeit gerade für jeden einzelnen ist. Diese Möglichkeit zur Erfahrung für so viele Menschen zu schaffen, fühlt sich sinnhaft an.

Auch die sozialen Lernkurven mancher Teilnehmenden sind beachtlich. Da gibt es zum Beispiel die etwas rüpelhafte Jungs-Clique, die anfangs noch sehr auf die eigene Profilierung als cool kids aus ist, die ihren Status etablieren wollen. Mit der Zeit sind auch diese Jungs gezwungen, auf die Menschen links und rechts von sich zu gucken – einfach weil es in der schwedischen Einöde sonst schnell langweilig werden kann. Und plötzlich feuern sie die Schwächsten an, um das gemeinsame Ziel bei der Lager-Olympiade zu erreichen oder übernehmen freiwillig Aufgaben, die der Gruppe guttun.

Freizeit als safe space

Besonders in Erinnerung bleiben oft die Momente, in denen die Freizeit zu einem so geschützten Raum für manche wird, dass sie den Mut finden, sich zu öffnen. Dann zeigen sich Jugendliche plötzlich verletzlich, teilen Traumata oder trauen sich, über Träume, Wünsche und Erfahrungen zu sprechen, die sonst unter Verschluss bleiben oder von denen sie bis dato selbst noch nichts wussten. Freizeit mit Tiefgang – das bleibt hängen.

Darauf bei der Planung achten

GRC1Treffpunkte im griechischen Feriencamp für Jugendfreizeiten direkt am MeerToll ist, mitzuerleben, wie auch Teamer neue Seiten an sich entdecken und ihre Rolle als Vorbild mit der Zeit immer besser ausfüllen. Dabei ist es wichtig, im Vorfeld auf die Zusammensetzung zu achten und das Team möglichst divers aufzustellen. Bedeutet: Niemandem ist geholfen, wenn ich zwar acht Sportskanonen, aber keinen im Team habe, der mal ein Lied anstimmen kann. In einem harmonischen Team gibt es einfühlsame, aktive, musische, gut organisierte, leise und laute Teamer. Ein gewisses Improvisationstalent ist allerdings bei allen von Vorteil – denn auf Freizeit läuft natürlich nie alles wie geplant.

Außerdem empfiehlt es sich, bei der Programmplanung die unterschiedlichen Phasen einer Gruppenentwicklung im Blick zu haben. Bedeutet: Zu Beginn der Freizeit eher eine dichte Taktung wählen und viel Zeitgestaltung vorgeben. Nach hinten raus mehr Freiräumen einplanen, damit die sozialen Bindungen sich entfalten können. Zudem ist es ratsam, in der zweiten Hälfte Programmpunkte zu planen, die je nach Wetter, Krankenstand oder Stimmung auch spontan gestrichen werden können.

Darum machen wir das

Mit der richtigen Haltung und einer guten Planung fühlen sich zwei Wochen Jugendfreizeit fürs Team nicht nach Arbeit sondern nach Spaß an. Patrick erinnert sich beispielsweise bis heute an eine Wanderung über eine schwedische Insel, bei der die Gruppe die Natur in völliger Stille auf sich hat wirken lassen. Die Entdeckung eines alten Bunkers, hat dem ohnehin schon gelungenen Tag dann noch die Krone aufgesetzt. “Ein Highlight – auch für mich.”

Und wenn man es richtig anstellt, gibt es sogar kleine Augenblicke der Entspannung. Ein Tipp aus Marcels Zeit als aktiver Teamer: Ganz früh, vor allen anderen aufstehen und den Tag mit einer Tasse Kaffee inner Hand auf ‘ner Holzbank an ‘nem schwedischen See beginnen. “Da sitzen und zusehen, wie sich der Nebel über dem Wasser langsam lichtet, bevor der Tag losbricht – was Besseres gibt’s nicht.” Am Ende sind es viele kleine Momente rund um eine Freizeit, die auch und gerade die Ehrenamtler spüren lassen, dass sich die Anstrengung und der Aufwand lohnen. Für die Gruppe – aber auch für einen selbst ganz persönlich.

Was waren eure Schlüsselmomente auf Jugendfreizeiten? Was ist eure persönliche Motivation? Wir freuen uns, wenn ihr davon erzählt. Schreibt uns gerne eine Mail. 

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