Erfahrungsbericht einer Gruppenleiterin der “Brücke Südwestfalen” zu Hoeve Genemeer
Im April 2025 hat Stephanie Wiederstein eine Handicap-Freizeit der Brücke Südwestfalen mit rund 10 Teilnehmenden und 6 Betreuenden nach Belgien geleitet. Die Gruppe hat dort im Haus Hoeve Genemeer gewohnt. Da wir das Haus noch nicht so lange im Programm haben, haben wir sie um einen Erfahrungsbericht gebeten. Was sie uns erzählt hat? Lest selbst.
Als wir am Haus angekommen sind, hat die Gruppe sich erst mal von der Fahrt erholt und sich im Garten bewegt. Ich habe mir das Haus im Schnelldurchlauf zeigen lassen und mir ist sofort aufgefallen, wie gepflegt und großzügig alle Räume waren. Sauberkeit ist mir wichtig, da achte ich immer besonders drauf.
Toll fand ich auch, dass jedes Zimmer über eine kleine Terrasse verfügte, die aber mit mannshohen Zäunen und einem Tor gesichert waren. Perfekt für Autisten mit Hinlauftendenzen – hier kann nix passieren!

Großes Plus: Tiere und Spielgeräte
Überhaupt ist das gesamte Außengelände eingezäunt, was das Aufsichtführen draußen deutlich entspannt hat. Unsere Gruppe hat sich besonders an den handzahmen Ziegen und Hühnern erfreut, es wurde viel gefüttert! Zudem gibt es einen tollen Spielplatz mit Trampolin und Schaukel auf dem Grundstück. Außerdem einen Fuhrpark bestehend aus diversen Kettcar, Bobbycar und behindertengerechten Fahrrädern. Wäre das Wetter etwas besser gewesen, hätten wir diese bestimmt auch für einen Ausflug genutzt.
Das gesamte Haus ist komplett ebenerdig und zu 100% barrierefrei. Überall gibt es Griffe und Halterungen, sodass beispielsweise problemlos im Stehen gewickelt werden kann. Dazu sind nahezu alle Hilfsmittel unter der Sonne im Haus vorhanden. Und das Beste: Sie funktionieren sogar. Wie oft habe ich es schon erlebt, dass es zwar theoretisch einen Lifter gibt, dieser aber gerade kaputt ist oder der Akkus leer ist?
Auch die Küche in Hoeve Genemeer ist so geräumig und gut ausgestattet, dass bequem in großer Runde gekocht werden kann. In Hoeve Genemeer merkt man einfach, dass sich jemand Gedanken ums Thema Barrierefreiheit gemacht hat, der wirklich was davon versteht.
Extrawünsche? Kein Problem
Dieser Jemand ist vor allem der Hausvater. Er hat uns vom ersten Moment an so herzlich willkommen geheißen, dass wir uns direkt zuhause gefühlt haben. Auch die Verpflegung durch den Hausvater und seine Frau war erste Sahne! Unsere Gruppe hat Halbpension gebucht und ich habe direkt am ersten Tag den Speiseplan für die Woche mit ihm besprochen. Dabei ist er auf jeden unserer Extrawünsche eingegangen – egal ob vegan, ohne Schweinefleisch oder bestimmte Allergien. Sogar Quark hat er fürs Frühstück aufgetrieben, obwohl der in Belgien echt schwer zu bekommen ist.
Alle Mahlzeiten wurden frisch gekocht mit absolut frischen Zutaten. Es gab es beispielsweise ein leckeres Curry, ein anderes Mal hat der Hausvater für uns gegrillt. Oft gab es knackige Salate zum Essen dazu. Uns hat besonders geholfen, dass wir die Mahlzeiten sehr flexibel absprechen konnten und so unsere Ausflüge nicht um irgendwelchen starren Küchenzeiten herumplanen mussten.
Ausflüge in alle Richtungen
Das Haus liegt etwas abgelegen. Nachts ist es wirklich ruhig und es gibt schöne Rundwege zum Spazieren in der Umgebung. Für Ausflüge muss man allerdings etwas fahren. Wir haben einen Indoor-Spielplatz, einen Safaripark in Holland, einen Irrgarten und das Outletcenter Roermond besucht – alles zwischen 15 und 60 Autofahr-Minuten entfernt.

Highlight am Haus
Trotz der tollen Ausflüge, hat unser schönstes Erlebnis auf dem Gelände von Hoeve Genemeer stattgefunden. An einem Abend haben wir ein Lagerfeuer an der Feuerstelle gemacht – mit Stockbrot! Ein paar unserer Teilnehmenden haben dafür Stöcke im Wald gesucht, vom Hausvater hatten sie Schnitzmesser zum Zurechtschneiden geliehen. Und obwohl Stockbrot in Belgien anscheinend keine besonders verbreitete Sache ist (der Hausvater hatte noch nie davon gehört!), haben die Gastgeber auf meinen Wunsch hin einen Teig für uns vorbereitet.
Und als wir da alle so in unseren muckeligen Jacken ums Feuer saßen und Teigwürste über den Flammen geröstet haben, haben wir auch noch angefangen, Lieder zu singen. So richtig klischeehaft, aber eben auch richtig schön!

Eine meiner besten Freizeiten
Tatsächlich wären wir alle gerne noch eine Woche länger geblieben. Die sechs Tage in Hoeve Genemeer waren eine der besten Freizeiten, die ich bisher betreut habe. Einen großen Anteil daran hatte das tolle Haus mit seinem Vermieter, der eine sehr offenen, einladenden Atmosphäre kreiert. Wir haben uns sehr willkommen gefühlt und kommen bestimmt nochmal wieder!
