Apps und Gadgets – Diese kleinen Helfer erleichtern euch barrierefreies Reisen

Mobiler Haltegriff fürs Bad (Quelle: Mobeli Roth)
Mobiler Haltegriff fürs Bad (Quelle: Mobeli Roth)

Barrierefreies Reisen beruht auf zwei Säulen: passende Hilfsmittel und gute Organisation. Vieles lässt sich durch gute Kommunikation im Vorfeld abklären oder bestellen. Dennoch sind nicht in allen Unterkünften die benötigten Geräte vorhanden. Wir haben uns mal unter Kunden umgehört und das Internet leergelesen – auf der Suche nach praktischen Werkzeugen, Hilfsmitteln und Apps für Menschen mit Handicap unterwegs. Hier ein Best-of unserer Recherche.

1. Kofferrampe

Mit einer faltbaren Rampe im Gepäck kommt euer Rollstuhl problemlos über alle Schwellen und Treppenstufen – auch wenn es keine barrierefreien Zugänge zu Gebäuden oder Fahrzeugen gibt. Es gibt Modelle (wie beispielsweise dieses von barrierefrei.de),  die sich auf eine flexible Länge zwischen 50cm und 2m ausklappen lassen. Je nachdem wiegt so eine Kofferrampe zwischen 4 und 15 Kilo und hat eine Tragkraft von bis zu 400 Kilo. Damit ist sie stabil genug für sämtliche Gehwagen, Rollstühle und Elektrorollstühle. Im zusammengefalteten Zustand sind die Rampen so handlich und schmal, dass sie sich problemlos tragen und verstauen lassen.

Eine faltbare Koffer-Rampe für Rollstühle.
Eine faltbare Koffer-Rampe für Rollstühle. Quelle: barrierefrei.de

Mobiler Haltegriff fürs Badezimmer (Quelle: Mobeli Roth)

2. Ansaug-Griffe

Körperhygiene und Pflege sind in fremder Umgebung oft eine große Herausforderung für Reisende mit Handicap. Wenn man einmal in mobile Haltegriffe und Stützen (wie beispielsweise diese von der Firma Roth) investiert, die sich mit einer simplen Ansaugtechnik an der Wand befestigen lassen, kann man sich das Badezimmer im Urlaub mit ein paar Handgriffen so „bauen“, dass man gut zurechtkommt. Großer Vorteil: Die Griffe lassen sich auf der individuellen Höhe anbringen und ohne Rückstände auch wieder entfernen. Einzige Herausforderung: Man muss dran denken, die Griffe am Ende des Aufenthaltes wieder einzupacken.

3. Mobile Anzieh-Hilfe

Menschen mit verkürzten Armen und/oder kleinwüchsige Personen nutzen in ihrer heimischen Umgebung oft fest installierte Anziehhilfen wie Haken oder Zylinder. Diese kleinen Geräte unterstützen Menschen mit eingeschränkter Arm-Mobilität beispielsweise dabei, ein T-Shirt in den Hosenbund zu stecken, Haare aus dem Pulloverkragen zu ziehen oder unangenehme Stofffalten am Körper zu glätten. Diese Anziehhilfen gibt es ebenfalls in einer mobilen Reisevariante mit Saugknöpfen (siehe beispielsweise hier) Auf eine Grundhalterung können verschiedene Aufsätze angebracht und dann in drei verschiedene Richtungen geschwenkt und fixiert werden. Eine Nutzerin sagt: „Praktisch, wenn man zum Anziehen nicht irgendwelche Türklinken in unbequemen Höhen benutzen muss.“

Mobile Anziehhilfe (Quelle: Mobeli Roth)

Mobiler Sicht- und Spritz-Schutz (Quelle: Mobeli Roth)

4. Mobiler Vorhang

Wenn am Urlaubsort zunächst fremde Personen die Pflege übernehmen, kann es für beide Seiten angenehm sein, erst einmal Privatsphäre im Bad zu schaffen. Gleiches gilt für Pflegesituationen in der Öffentlichkeit, beispielsweise bei einem Schwimmbadbesuch. Dafür eignet sich ein flexibel zu befestigender Vorhang, der gleichermaßen als Sicht- sowie Spritzschutz fungieren kann. Sofern die Stange elastisch ist, lässt sie sich in alle Richtungen schwenken und hält auch ein gewisses Gewicht beim Auflehnen.

5. Mobilitätsservice der Deutschen Bahn

Wer als Handicap-Reisender mit dem Zug unterwegs ist, sollte unbedingt den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn kennen. Das kostenlose Angebot richtet sich an alle, die Hilfe beim Ein-, Aus- oder Umsteigen mit der Bahn gebrauchen können. Dafür muss einfach vorher online ein Formular ausgefüllt werden und schon kommen Helfer:innen zum bestellten Gleis, sogar an die bestellte Abteiltür und packen beim Transport von Gepäck, Rollstühlen oder anderen Gehhilfen mit an. Bei Bedarf kann auch ein Hublift für den Zug bestellt werden. Weitere Informationen unter: msz.bahnhof.de

Reisende im Rollstuhl prüft Informationen auf Smartphone

Ein Smartphone lädt Strom mit einem Powerbank im Urlaub.

6. Powerbank

Viele Menschen mit körperlichen Behinderungen erleichtern sich ihren Alltag mithilfe von Apps. Oft wird das Smartphone auch zur Steuerung anderer Hilfsmittel wie zum Beispiel Hörgeräten genutzt.  All das zieht Akku. Und auch wenn der folgende Tipp offensichtlich erscheint, haben ihn unserer Erfahrung nach die wenigsten auf dem Schirm: Nehmt ein Powerbank und entsprechende Kabel sowie Adapter mit, um euer Smartphone oder sonstige akkubetriebene Kleingeräte bei Bedarf auch unterwegs laden zu können. So habt ihr quasi eure Steckdose im Rucksack mit dabei.

7. Apps

Apropos Smartphone: Eine kleine Umfrage in der Zielgruppe hat ergeben, dass folgende Apps auf Reisen hilfreich sein können:

  • Wheelmap – Karte mit barrierefreien Orten weltweit
    Zeigt Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Hotels, Toiletten oder Bahnhöfe mit einer Farbcodierung an (grün = barrierefrei, gelb = eingeschränkt, rot = nicht barrierefrei). Perfekt zur spontanen Planung unterwegs.
  • Google Lookout – Umgebung in Echtzeit erkennen & lesen
    Apps, die Texte, Objekte, Personen oder Farben vorlesen und erkannte Umgebungselemente beschreiben – ideal für Museum, Stadt oder ÖPNV.
  • Live Transcribe – gesprochene Sprache in Text
    Wandelt Gespräche oder Durchsagen in Echtzeit in Text um – praktisch bei Hörbehinderung, Gruppenansagen oder Museumsführungen.

Welche kleinen Helfer erleichtern euch oder eurer Gruppe das Reisen? Welche Tools haben sich bewährt? Wir freuen uns über weitere Tipps! Schreibt uns gerne. 

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